Andrea Hilger

Kurzvita

geborene Moser 1970 in Leipzig, beendete 1989 ein medizinisches Fachschulstudium und widmete sich danach dem Studium der Laban-Notation und Improvisation für Tanz und Choreographie in Wien sowie ab 1994 an der Hochschule für bildende Kunst in Dresden der Malerei und Grafik. Parallel hierzu entwickelte sie sich als freischaffende Künstlerin in den Bereichen Choreographie, Bühnenbild und Lichtkunst. 1999 gründete sie die Compagnie „Tanzart“ in Dresden und betreibt seit 2007 die Kunstfabrik Hillumination mit reiner lichtgrafischer und malereigrafischer Ausdrucksform. Sie arbeitete und arbeitet an zahlreichen großen Theatern wie der Oper in Kiel, dem Staatstheater Cottbus, der Semperoper und dem Festspielhaus Hellerau in Dresden, dem Landestheater Coburg und in Museen und Galerien wie dem Deutschen Hygienemuseum, dem Kunsthaus in Dresden, der Galerie am Bollwerk in Neuruppin als Tänzerin, Choreographin, Lichtkünstlerin und bildende Künstlerin. 2007 entwarf sie gemeinsam mit Mike Salomon in den leerstehenden Räumen des alten Schlachthofareals das Zukunftsbild eines zeitgenössischen Kunstzentrums, das mit der 1. internationalen Kunstausstellung Ostrale 07 begann.
2009 ehrte die Stadt Dresden die Künstlerin mit dem Förderpreis der Stadt Dresden. 2017 wurde die OSTRALE unter Leitung von Andrea Hilger in eine BIENNALE umgewandelt. Sie bestreitet zahlreiche Ausstellungen, Kurationen, Referate und Seminare international und national und brachte die OSTRALE in 15 europäische Städte.

Statement Kulturhauptstadt:

Welche Stadt sollte Kulturhauptstadt werden und warum eigentlich?

So wie Kurt Schwitters gebürtiger Hannoveraner, der Hannover rückwärts gelesen, übersetzt und wieder in die richtige Reihenfolge gebracht hat. Herausgekommen ist „Vorwärts nach weit“. Mit diesem Motto hätte jede Stadt wohl eine Chance.

Ich würde noch ergänzen „nach“ kultureller Vielfalt, Offenheit, Weite im europäischen Denken, im Miteinander und im Vermitteln kultureller Werte.

Ein Miteinander der einzelnen Institutionen aber und vor allem der Bürger hinsichtlich der kulturellen Werte und des kulturellen Miteinander. Aber wer und was ist kulturelles Miteinander? Kooperationen, Netzwerke? Geben und Nehmen von kulturellen Gütern, Ressourcenaustausch, Begreifen, dass Hochkultur sich aus Subkultur speist. Beteiligung durch Stadtgespräche und Identifikation. Vielleicht sollte man frech, verstörend, unerhört kulturelle Werte Hinterfragen, aber die Basis auf kulturelle Werte setzten.

Kunst muss ein Wagnis sein dürfen. Kunst muss mit dem Scheitern rechnen dürfen. Kunst muss das Andere suchen, das Neue, das, was so noch nicht gemacht wurde. Dafür darf sie auch verschwenderisch, verträumt, verspielt und pubertär sein. Aber heißt Kunst machen Kulturhauptstadt sein?

Kultur ist mehr als ein Standortvorteil. Kultur öffnet Horizonte, lehrt Risikobereitschaft, leitet dazu an, die Dinge anders wahrzunehmen und den eigenen Standpunkt zu hinterfragen.